"Dem Wunder die Hand hinhalten wie einem Vogel"

von Kirsten Baumbusch im April 2025

© Anyievo-Ekpui. Die aktuellen Bilder zeigen die Krankenschwester beim Impfen und beim Gesundheitsvortrag sowie Kinder bei der Ausgabe von Nahrung. Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.

Dittigheim. "Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise wie einem Vogel

die Hand hinhalten", so hat die Dichterin Hilde Domin beschrieben, was

die 45 Mitglieder des in Tauberbischofsheim ansässigen Vereins

"Anyievo-Ekpui" sich zum Motto erkoren haben.

 

Der Name bedeutet so vielwie "Regenbogen über Ekpui". Und Ekpui ist der Name eines kleinen Dorfes am Togosee, aus dem Tronou Deahun stammt, der lange in Gerlachsheim lebte und jetzt in Berlin zuhause ist. Sein  Herzenswunsch war, seinem Heimatdorf eine Zukunftsperspektive zu bieten.

 

Das gelingt seit 13 Jahren immer und immer wieder auf verschiedenste Art und Weise, wie auf der diesjährigen Mitgliederversammlung deutlich wurde.

 

Die Vorsitzende Elisabeth Wycisk, ihre Stellvertreterin Birgit Frei

sowie die Schriftsführerin Kirsten Baumbusch wurden dabei ebenso in

ihren Ämtern bestätigt, wie die Kassenprüfer Emil Hönninger und Waltraud

Breinbauer.

 

Seit der Gründung wurden im Dorf Ekpui Lehr- und Lernräume sowie ein

Kindergarten, eine Zisterne und eine Mühle gebaut sowie eine Apotheke,

eine Näherei und eine Küche eingerichtet. Etliche Patenkindern konnten

zur Schule gehen, junge Menschen eine Berufsausbildung machen.

 

Besonders freut die Vereinsmitglieder, dass das frühere Patenkind Odile, jetzt

über 20 Jahre alt, sich als Assistentin der Krankenschwester ausbilden

hat lassen und mittlerweile schon neun Geburten begleiten konnte.

Immer wieder muss Menschen des Dorfes aus Notlagen geholfen werden.

 

So wie beispielsweise dem kleinen Joseph, der an einer Nierenerkrankung

litt und mit Wassereinlagerungen kämpfte. Der Verein übernahm die Kosten

für das Krankenhaus und die Medikamente des Achtjährigen. Jetzt ist auch

noch die Mutter gestorben und hinterlässt ihn und zwei jüngere

Geschwister. Auch hier hilft der Verein und unterstützt Verwandte, damit

sich die um die Waisen kümmern und diese zur Schule gehen können.

 

Vor drei Jahren schrillten die Alarmglocken bei den Verantwortlichen des

Vereins, als in Ekpui in kürzester Zeit etliche Kinder starben. Sie

litten an Vitaminmangel und Würmern - was beides ihr Immunsystem

zusammenbrechen ließ. Der Verein handelte sofort und sorgte für

Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, so dass seither keine

Todesfälle mehr zu verzeichnen sind.

 

Ja, das westafrikanische Land Togo mit seinen acht Millionen Menschen

ist arm, bettelarm. Und ja, die Klimakrise setzt vor allem der

Landwirtschaft brutal zu. Die Ernte verdorrt immer häufiger auf den

Feldern, die eigentlich fruchtbare Erde wird zu Staub, auf der kein

Mais, kein Getreide, kein Gemüse mehr wachsen kann. Die medizinische

Versorgung ist schwierig, auf 10.000 Einwohner kommt ein Arzt, die

Bildungssituation ist für viele Kinder und Jugendliche unbefriedigend.

 

Dennoch werden die Aktiven um die Vorsitzende Elisabeth Wycisk eben

nicht müde und geben die Hoffnung nicht auf, dass sich durch Hilfe zur

Selbsthilfe vieles verbessern kann.

 

Derzeit gibt der Verein 14 Arbeitskräften vom Hausmeister, über

Lehrkräfte im Kindergarten, bis hin zur Krankenschwester Lohn und Brot.

 

Außerdem gibt es zwölf Patenschaften, die jungen Mädchen eine

Schulbildung ermöglichen. Vergangenes Jahr starteten überdies drei junge

Männer eine Ausbildung zum Maurer, Elektriker und Klmepner in einer

Berufsschule im benachbarten Togoville. Künftig, so beschloss die

Mitgliedschaft, soll verstärkt in berufliche Ausbildung investiert

werden. Wünschenswert wären auch, junge Menschen mit

landwirtschaftlichen Kenntnissen zu versehen, damit sie Alternativen zum

wasserintensiven Maisanbau finden können, der fast nicht mehr möglich ist.

 

Wasser und Bewässerung sind wichtige Themen in Togo. Immer wieder sucht deshalb auch das Vereinsteam nach neuen Möglichkeiten. Für einen

neuartigen Brunnen, der dem Dorf eine eigene Trinkwasserversorgung

ermöglichen könnte, soll jetzt Geld gesammelt werden. Das soll nicht

zuletzt bei einem Sommerfest des Vereins im Pfarrhof Dittigheim sowie im

Vitus- und Pfarrsaal am Samstagnachmittag des 13. September

erwirtschaftet werden. Viele interessierte Gäste sind schon jetzt

herzlich eingeladen.

 

Mehr über den Verein: https://www.anyievo-ekpui.com/

Hilfe ist möglich unter : Anyievo-Ekpui/Togo e.V.; Sparkasse

Tauberfranken, IBAN: DE78 6735 2565 0002 2011 76 oder : Volksbank

Main-Tauber, IBAN: DE10 6739 0000 0071898407.